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02.05.2015, 23:52 Uhr, Autor: NZZ, Christine Steffen

Presse-Artikel Geschlossene Gesellschaft: «Man sollte wieder Sachen zulassen, die nicht dem Ideal entsprechen»

NZZ: Wer in die Super League aufsteigen will, muss hohe Anforderungen erfüllen. Es droht eine geschlossene Gesellschaft. Andreas Mösli, Challenge-League-Kenner und Geschäftsführer im FC Winterthur, über Probleme und Perspektiven der Klubs.

 

 

Hier anklicken zum NZZ-Online-Artikel

 

Diese Woche hat die Swiss Football League die Lizenzen erteilt. Da die Konkurrenten Wohlen und Servette in erster Instanz keine Lizenz für die Super League erhalten haben, ist klar, dass Lugano aufsteigt. Ist die Challenge League eine Farce?

Wohlen ist ein Spezialfall. Der Verein hat in den letzten zehn Jahren gegen den Abstieg gekämpft. Ich möchte nicht sagen, dass der Erfolg ein Betriebsunfall ist, aber beabsichtigt war er sicher nicht. Wohlen scheint mir weder von der Stadt noch vom Budget und vom Stadion her ein logischer Aufsteiger. Die Frage ist berechtigt, ob es sinnvoll ist, wenn ein solcher Verein aufsteigt.

 

Wohlen war also zu gut.

Es ist sicher ärgerlich für die Spieler und den Trainer. Und grundsätzlich bin ich der Meinung, die Swiss Football League müsste dafür sorgen, dass jeder aufsteigen kann, der es sportlich schafft.

 

Wie soll sie das bewerkstelligen?

Man muss die Hürden so tief wie möglich halten. Bei der Infrastruktur etwa kann man Massnahmen ergreifen, die einen Aufstieg eher ermöglichen.

 

Die Auflagen sind also zu streng?

Zum Teil. In der Schweiz gehören viele Stadien den Gemeinden. Wenn diese sparen müssen, wird es schwierig, die Ansprüche der Swiss Football League bezüglich der Infrastruktur zu erfüllen.

 

Läuft es darauf hinaus, dass man in der Super League und in der Challenge League irgendwann eine geschlossene Gesellschaft mit den Teams hat, die allen Anforderungen genügen?

Das ist die eine Möglichkeit. Die andere finde ich noch schlimmer: dass die Liga irgendwann nicht mehr genug Vereine hat, die mithalten können. Die einen schaffen es nicht, die Infrastruktur bereitzustellen, die anderen sterben genau an der gewünschten Infrastruktur. Man dachte, mit der Mantelnutzung wären alle Probleme gelöst, weil man gratis ein Stadion bekommt. Das stimmt nicht. Die Unterhaltskosten sind hoch. Die Einkaufszentren haben lange Öffnungszeiten, brauchen viele Parkplätze, die Mantelnutzung drängt den Fussball in den Hintergrund.

 

Das Überleben der Vereine ist nur möglich, wenn man die Anforderungen zurückschraubt?

Man sollte wieder Sachen zulassen, die nicht dem Ideal entsprechen. Mir ist klar, wie die Liga argumentiert: Man will den Fussball für das Fernsehen und ein breites Publikum attraktiv machen. In der Schweiz ist es schwierig, Sponsoren zu finden, die Fernseheinnahmen sind vergleichsweise klein. Natürlich ist die Sicht der Liga eine andere als die eines einzelnen Vereins.

 

Wie sind die Reaktionen der Liga auf Vorschläge zur Lockerung der Anforderungen?

Vor ein paar Jahren war es schwierig, über diese Dinge zu diskutieren. Damals hiess es zum Beispiel, ein Challenge-League-Stadion brauche 10 000 Plätze. Mittlerweile haben die meisten begriffen, dass es so nicht funktioniert. Die Hoffnung war ja, dass viele Vereine nachziehen mit neuen Stadien. Das ist nicht passiert. Im Gegenteil gehen der Liga die Vereine aus, die die nötigen Standards haben.

 

Viele Vorgaben in den Stadien betreffen auch die Sicherheit.

Kleinen Vereinen entstehen durch die Sicherheitsvorgaben Kosten, die in keinem Verhältnis zur realen Gefahr stehen. Dort, wo Probleme entstehen könnten, wären sie meist mit weniger Aufwand zu lösen. Aber die Diskussion ist im Moment schwierig. Es wird pauschalisiert, differenzierte Betrachtungen und eine nüchterne Beurteilung finden nicht statt. Es wäre dringend nötig, die Diskussion auf den Boden zu holen. Dazu müssten auch die Medien wieder vermehrt journalistische Grundsätze wie Relevanz, Sorgfalt und Verhältnismässigkeit anwenden.

 

Wie sähe für Sie die ideale Challenge League aus?

Eine unberechenbare Liga mit Vereinen aus verschiedenen Regionen und Kulturen. Und die Hürden für den Aufstieg wären niedrig. Ich finde es auch schade, gibt es die Barrage nicht mehr. Es ist Spannung verloren gegangen.

 

In der Super League gibt es überhaupt keine Spannung mehr.

Klar ist die Dominanz des FC Basel schwierig. Aber die Frage ist, ob diese nicht auch ein Problem der anderen Vereine ist. Auch die Young Boys haben Geld. Es ist nicht so, dass derjenige mit dem meisten Geld automatisch Meister wird. Man muss auch noch etwas tun dafür. Und Basel arbeitet sehr gut.

 

In der Schweiz überleben die Vereine nur, weil es Leute gibt, die Millionenlöcher stopfen. Kann das wirklich das Modell sein?

Ich sehe keine andere Möglichkeit, weil der Markt zu klein ist. Aber sicher könnten die Vereine auch mehr tun, um sich klarer zu positionieren. Es ist wichtig, dass man versucht, aus seinem Verein eine Marke zu machen und ein klares Profil zu entwickeln, so wie wir es in Winterthur mit unserer Nachwuchsabteilung und dem Bestreben tun, auf allen Ebenen integrativ zu wirken.

 

In welche Richtung wird die Challenge League in den nächsten Jahren gehen?

Es wird darauf ankommen, wie sehr man bereit ist, die Anforderungen an die Klubs zurückzuschrauben. Aber auch die Vereine stehen in der Pflicht. Jeder muss für sich herausfinden, welches für ihn die richtige Liga ist, und entsprechend wirtschaften. Das tun längst nicht alle. Es gibt Vereine, die funktionieren, weil sie ein, zwei Sponsoren haben, die ihr Geld in die erste Mannschaft buttern, aber der Nachwuchs, die eigene Basis, wird total vernachlässigt. Wenn dann die Sponsoren irgendwann keine Lust mehr haben, ist der Verein tot.

 

Für einen Schweizer Fussballklub gilt es also, sich einfach zu bescheiden.

Dieser Meinung bin ich, ja. Man hat hier irgendwann ganz falsche Vorstellungen entwickelt, sich von Deutschland blenden lassen, wo die Stadien voll sind, das Fernsehen gut läuft. Doch das ist eine totale Fehleinschätzung. Selbst in der dritten deutschen Liga spielen Traditionsklubs wie Bielefeld oder Cottbus. Etwas Vergleichbares gibt es in der Schweiz nicht.

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